Vollschwung

Bleiben Sie schwungvoll

Sicher möchten Sie auch so schwingen wie Tiger Woods, Sergio Garcia oder ein anderer Top-Spieler. So wie Ihr Pro oder wie ein gut spielender Freund. In den meisten Fällen ist das aber leider nicht möglich. Der Grund dafür ist ganz einfach: Ihr Wunsch-Vorbild ist möglicherweise anders gebaut als Sie.
Sie sollten niemals versuchen, eine Bewegung nachzuahmen, die nicht Ihrer Statur entspricht. Beispiel: Eine kleine Frau mit großer Brust, die versucht, Tiger Woods nachzuahmen, wird dabei ganz sicher Probleme haben. Grund: Ihre Oberweite wird beim Aufschwung früher oder später (wahrscheinlich eher früher) im Wege sein. Wenn die Dame trotzdem probiert, soweit auszuholen wie Tiger, wird sie ihre Arme vom Körper heben, ihr rechtes Bein durchstrecken, die Handgelenke verdrehen. Sie würde also etliche Fehler machen, nur um so auszuholen, wie ihr (schlechtgewähltes) Vorbild.



Mein Tipp: Suchen Sie sich ein Vorbild, das ähnlich gebaut ist wie Sie. Warum denn immer Tiger Woods? Nehmen Sie zum Beispiel Russel Claydon oder Ian Woosnam! Individueller Schwung. Leider wird immer noch in viel zu vielen Zeitschriften, Büchern und Trainerstunden der angeblich „einzig richtige Schwung" gelehrt. Machen Sie sich frei von derartigen Theorien. Denn: Es gibt keinen „einzig richtigen Schwung". Klar: Der Grundschwung ist im Prinzip bei allen Golfern gleich. Der - nennen wir ihn - Vollschwung hingegen wird sich von Statur zu Statur der Golfer ein wenig unterscheiden.



Gerade der Aufschwung hängt schlicht und einfach von den persönlichen körperlichen Grenzen ab. So kann ein schlanker und gelenkiger Mensch natürlicher Weise weiter ausholen als ein - nennen wir ihn - sehr „muskulärer" Typ. Um sinnvoller und somit effektiver zu schwingen, sollten Sie deshalb aufhören, Ihren Körper zu vergewaltigen und den Schwung Ihren ganz individuellen körperlichen Gegebenheiten anpassen.
Lernen Sie dafür zunächst Ihre natürlichen Grenzen kennen: Stellen Sie sich ohne Schläger in der gewöhnlichen Ansprechposition hin und nehmen Sie die Hände in die Hüfte. Drehen Sie nun die Hüfte und den Oberkörper über der rechten Ferse soweit Sie können - ohne dabei das rechte Bein durchzustrecken (s. Bild 1). Überkreuzen Sie dann die Hände vor der Brust und drehen Sie die Schultern weiter - wieder soweit Sie (entspannt) können (s. Bild 2).
Lassen Sie beide Arme hängen und führen Sie ihren gestreckten linken Arm über die Brust, bis er ohne Anstrengung nicht mehr höher kann (s. Bild 3). Wenn Sie jetzt die rechte Hand über die linke setzen, haben Sie Ihre eigene, ganz persönliche Schwunggrenze erreicht (für Linkshänder natürlich andersrum). Machen Sie diese Übung am besten vor einem Spiegel und prägen Sie sich Ihre natürliche Grenze genau ein. Nehmen Sie dann einen Schläger in die Hände und schwingen Sie - bis zu Ihrer natürlichen Grenze - auf. Und nicht weiter. Üben Sie Ihren individuellen Schwung auf der Driving Range - und zwar solange, bis die Bewegung in Fleisch und Blut übergegangen, also automatisiert, ist. Es wäre zweckmäßig, sich hierfür einen Pro zu suchen, der eine ähnliche Statur hat wie Sie. Beobachten Sie ihn von allen Seiten, damit Sie eine vollständige Vorstellung der Bewegung bekommen. So als wären Ihre Augen eine Videokamera. Stellen Sie sich vor, wie Sie selbst beim Schlagen auszusehen haben und machen Sie es nach. In allen Einzelheiten. Probieren Sie's!




Swing Simply II
Chippen