Swing Simply II

Das Pendel

Nach Griff, Ansprechposition und Körperdrehung geht es jetzt ans Eingemachte: Den Armschwung. Wenn Sie das zweite System der neuen Trainings-Philosophie „Swing Simply" beherrschen, ist es bis zu Ihrem optimalen Golfschwung nicht mehr weit! Nachdem wir nun eine stabile Basis und Achse für unseren Schwung haben (s. Swing Simply I), kümmern wir uns in dieser Ausgabe um den Armschwung.



Auch wenn es zwar der Schläger ist, der den Ball in Bewegung setzt - es sind die Arme, die den Schläger bewegen. Es erscheint also mehr als logisch, dass der Ball dahin fliegen muss, wohin sich die Arme bewegen. Sie müssen mit den Armen folglich in Zielrichtung schwingen. Das klingt einfach - zumindest so lange sich Ihr Körper nicht gleichzeitig bewegt! Missverständnis. Der Armschwung ist das zweite System von Swing Simply. Genau dieses System wird von den meisten erwachsenen Anfängern völlig missverstanden. Wenn Sie sich einen Golfschwung anschauen und diesen zu verstehen versuchen, werden Sie wahrscheinlich kaum erkennen, was die Arme tatsächlich tun.



Kein Wunder also, dass die meisten der Amateure ihre Arme vor dem Körper wie Scheibenwischer nur nach rechts und links bewegen, anstatt wie bei einer Wurfbewegung von unten nach oben. Das liegt wohl daran, dass sie nicht berücksichtigen, dass sich der Oberkörper während des Armschwunges mitdreht. Wenn Sie den Armschwung völlig von der Körperdrehung trennen, wird Ihnen die Armbewegung wahrscheinlich völlig falsch erscheinen. Schauen Sie sich zum besseren Verständnis die Bilder ganz oben genau an.



Hoch, runter, hoch

Wenn Sie einen Ball von unten werfen, werden Sie erkennen, dass die Arme vor dem Oberkörper von unten nach oben schwingen - und nicht von rechts nach links. Diese Bewegung ist Bestandteil einer größeren Aktion rund um das Schultergelenk. Wenn Sie einen Golfschläger schwingen, benutzen Sie natürlich beide Hände bzw. Arme, wobei jeder Arm versucht, um seine eigene Achse herum in Richtung Ziel zu schwingen. Drill. Folgende Übung soll Ihnen helfen, den richtigen Armschwung mit der Körperdrehung zu kombinieren. Nehmen Sie dafür die gewohnte Ansprechposition ein und lassen Sie die Arme hängen. Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen Golfschläger in den Händen. Dabei ist zwischen Ihren Händen und Oberschenkeln etwa eine Handbreit Platz. Schwingen Sie Ihre Arme nun vor dem Körper bis auf Brusthöhe nach oben, ohne dabei Ihren Oberkörper zu drehen, und wieder nach unten - in die Ausgangs-Ansprechposition.



So sollte sich der Armschwung anfühlen! Drehen Sie jetzt Ihren Oberkörper nach rechts und heben Sie Ihre Arme dabei - genau wie in Schritt 2 (4). Drehen Sie sich wieder zusammen mit den Armen zurück in die Ausgangsposition (5). Drehen Sie sich weiter nach links und schwingen Sie die Arme dabei wieder bis auf Brusthöhe. Wiederholen Sie diese Schritte und fügen Sie sie zu einer flüssigen Bewegung zusammen. 50 mal am Tag, sechs Wochen lang!



Und jetzt zusammen

Sowohl die Körperdrehung, als auch der Armschwung müssen zwar getrennt voneinander betrachtet werden, aber perfekt miteinan-der synchronisiert werden. Tipp: Dabei bleiben die Hände im Prinzip immer vor der Mitte des Brustkorbes; sie bewegen sich nur hoch und runter. Die Synchronisation dieser beiden Systeme erfordert tägliches Training! Sie müssen spüren, dass beide Bewegungen zusammen starten und die Arme vor der Brust nach oben - und nicht wie Scheibenwischer nach rechts und links - schwingen. Im Durchschwung sollte keine dieser beiden Bewegungen dominieren. Beide gehen „durch den Ball" in Richtung Ziel. An diesem Punkt ist es wichtig zu verstehen, dass der Körper dabei nicht exakt in dieselbe Position zurückkehrt, in der er gestartet ist: Die Hüfte hat sich nämlich bereits leicht in Richtung Ziel gedreht. Diese Bewegung wird Ihnen möglicherweise aus verschiedenen Gründen schwierig vorkommen. Das Hauptproblem ist ein ganz natürliches: Unser Gehirn hat Probleme damit, zwei gegenläufige Bewegungen zu koordinieren, ohne dass die eine dabei die andere beeinflusst.



Das führt in der Regel dazu, dass die Arme um den Körper herum schwingen und sich der Körper auf und ab bewegt. Sie kennen sicher den einfachen Test, der zeigt, wie gut Ihre Fähigkeit, verschiedene Bewegungen miteinander zu koordinieren, ausgeprägt ist: Machen Sie mit Ihrer linken Hand eine kleine kreisende Bewegung rund um Ihren Bauchnabel und klopfen Sie dabei mit der rechten Handfläche auf Ihren Kopf. Wenn Ihnen das schwer fällt, ist das ein Zeichen für Koordinationsprobleme. Machen Sie sich aber keine allzu großen Gedanken darüber. Üben Sie regelmäßig Ihren Schwung und Ihr Hirn wird lernen, beide Bewegungen voneinander getrennt auszuüben. Die Körperdrehung und der Armschwung arbeiten teilweise gegengerichtet, gleichzeitig unterstützen und stabilisieren sie sich jedoch auch. Genau dieses subtile Zusammenspiel unterschiedlicher Systeme ist es, das Tour-Spieler in beneidenswerter Leichtigkeit und Harmonie demonstrieren.



Jetzt geht's los

Wenn Sie halbwegs mit den Bewegungen zurecht kommen, nehmen Sie ein Eisen sieben mit dem in Heft 1/2003 gezeigten Griff in die Hände und wiederholen Sie die identischen Bewegungen nun mit dem Golfschläger.
Halten Sie dabei Ihre Handgelenke steif und versuchen Sie, beide Arme (locker) gestreckt zu lassen. Sie werden merken, dass der rechte Arm beim Schwung nach rechts und der linke Arm beim Schwung nach links sich ein wenig beugen wird. Das ist völlig okay. Sie sollten nur das Gefühl haben, dass Sie den Schläger die gesamte Bewegung über - also während Sie Ihre Arme und den Schläger erst weg und dann in Richtung zum Ziel schwingen - imselbem Abstand zum Körper halten.



Visualisieren

Stellen Sie sich vor, Sie stehen in der Mitte eines Loopings einer Achterbahn und Sie schauen dem Wagen bei seiner Fahrt von rechts nach links zu. Ganz unten angelangt will der Wagen geradeaus in Richtung Ziel fahren, er wird jedoch - da er fest mit den Schienen verbunden ist - in der Spur nach oben herumgerissen. Ihre Arme machen im Prinzip dasselbe mit dem Schläger wie die Schienen mit dem Wagen! Allerdings sollten Sie zunächst keinen ganzen, sondern nur einen halben „Looping" schlagen. Dabei „fahren" die Arme und der Schläger jeweils auf ihren eigenen Schienen bzw. ihren eigenen Schwungebenen.



Fehler und Folgefehler

Sie bestimmen also mit Ihrem Armschwung die Richtung des Ballfluges. Jeder Fehler in diesem Bereich führt dazu, dass die Hände und der Körper versuchen werden, diese(n) Fehler zu kompensieren. Schwingen Ihre Arme zum Beispiel links am Ziel vorbei, wird der Ball exakt dorthin fliegen. Wenn Sie nun versuchen gerade zu schlagen, indem Sie (unbewusst) die Handgelenke im Treffmoment leicht aufmachen, wird der Ball eine Kurve nach rechts machen (Slice). Schwingen Ihre Hände rechts vom Ziel vorbei und machen Sie Ihre Handgelenke (als Kompensation) zu, ist das Resultat ein Hook, also ein Ballflug der nach rechts startet und dann nach links abdreht. Viele Golfer haben ihre Kompensations- Bewegungen geradezu perfektioniert und können den Ball somit trotz ihres schlechten Armschwunges und der falschen Körperdrehung geradeaus spielen. Nur leider führt dies in der Regel zu unkonstanten Schlägen und Einbußen in punkto Länge, da die Hände nicht in der Lage sind, ihren Job richtig auszuüben, nämlich: für optimale Schlägerkopfgeschwindigkeit im Treffmoment zu sorgen.


Swing Simply I
Vollschwung